Sind Cholinesterasen potentielle Verlaufsmarker bei Sepsis?
14.05.2024
Die Sepsis-assoziierte Enzephalopathie (SAE) kann, unabhängig von deren Erreger, als spezifische Organdysfunktion des zentralen Nervensystems (ZNS) im Rahmen einer Sepsis auftreten. Es gibt Hinweise, dass ein Ungleichgewicht im Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin eine bedeutsame Rolle in der Pathophysiologie der SAE spielt.
Forscher:innen der Arbeitsgruppe Translational Septomics untersuchten den Effekt einer viralen sowie einer bakteriellen Sepsis auf die Aktivitäten der Acetylcholinesterase abbauenden Enzyme Acetylcholinesterase (AChE) und Butyrylcholinesterase (BChE). Hierzu verglichen sie deren Konzentrationen im Blut von Sepsispatient:innen mit dem von gesunden Proband:innen. Das Ziel der Studie war, Aussagen über die Eignung von AChE und BChE als prognostische Marker für das Auftreten einer SAE bzw. für die Sterblichkeitsrate von Sepsispatient:innen auf der Intensivstation zu treffen.
Die Untersuchungen zeigten, dass bei Sepsispatient:innen in der Akutphase der Sepsis signifikant niedrigere Blutkonzentrationen beider Enzyme vorliegen als bei Gesunden. Außerdem konnte sowohl für die AChE- als auch für BChE-Konzentration ein prognostisches Potential hinsichtlich der Entwicklung einer SAE sowie des Überlebens auf Intensivstation nachgewiesen werden.
Die ausführlichen Ergebnisse wurden in dem Fachjournal Canadian Journal of Anaesthesia veröffentlicht.
Neu C, Esper Treml R, Baumbach P, Engelmann M, Gebhardt C, Götze J, Coldewey SM (2024) Cholinesterase activities and sepsis-associated encephalopathy in viral versus nonviral sepsis. Can J Anaesth. 71(3):378-389. doi: 10.1007/s12630-024-02692-7